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Es tut sich was … – Fanaktionen gegen Sexismus

Stand für kritische Fußballfans in den 1990ern meist noch der Kampf gegen rechte Tendenzen im Mittelpunkt, so beschäftigen sich seit einigen Jahren immer mehr Fangruppen mit anderen Diskriminierungsformen wie zB Antisemitismus oder Homophobie. Und auch Sexismus im Stadion wird immer mehr wahrgenommen, diskutiert und kritisiert. Wir zeigen Euch hier ein paar Kommentare und Choreos von Fangruppen – und freuen uns besonders über Hinweise auf Eure Aktionen unter info@f-in.org.

sexism sucks - football is for u and mesexism sucks - football is for u and me

Toll war die Aktion aus Darmstadt im Rahmen der FARE-Aktionswoche 2008 gegen Rassismus und Diskriminierung:

Ultras Darmstadt haben gemeinsam mit der Jugendsektion Youth Side und der Gruppe Mujeres Libres eine Aktion zum Thema Sexismus und Diskriminierung von Frauen im Fußball gemacht. Es gab eine Choreografie unter dem Motto sexism sucks - football is for u and me, Flyer, Infos in der der Heimspielzeitung der Ultras „Ausnahmezustand“ und zwei Artikel im offiziellen Stadionmagazin des Vereins. Die Gruppen selbst dazu:

Emotionen kennen keine GeschlechterEmotionen kennen keine Geschlechter

Die Gruppe MUJERES LIBRES besteht aus ultraorientierten Frauen zwischen 14 und 30 Jahren, welche als Anlaufstation für alle weiblichen Lilienfans fungiert und gemeinsam mit ULTRAS DARMSTADT und YOUTH SIDE verstärkt gegen Sexismus und Homophobie vorgeht. [...] einen Block, frei von Rassismus, Sexismus, Homophobie und Diskriminierung jeglicher Art zu schaffen ist das gemeinsame Ziel der Gruppen, welches von vielen aktiven Fans geteilt wird.

Wir hoffen mit dieser Aktion ein Stück weit Aufklärungsarbeit geleistet zu haben, auch wenn wir uns darüber im Klaren sind, dass in einer Gesellschaft, in der Sexismus und die Diskriminierung von Frauen und Homosexuellen zum „guten Ton“ gehören, es schwer werden wird, einen Freiraum für fußballbegeisterte Männer und Frauen, ganz gleich welcher sexueller Orientierung, zu schaffen. Daher sehen wir die Aktion zur FARE-Aktionswoche als Einstieg in eine gut argumentierte und dauerhafte Aufklärungsarbeit zu diesem Themengebiet.

Mehr zu der Aktion bei Alerta oder Ultras Darmstadt.

 

Bei Fortuna Düsseldorf reagierten männliche und weibliche Fans sehr skeptisch auf die (zunächst) speziell auf Frauen zugeschnittene Marketingkampagne Schluffmarie. Neben einer bissigen Stellungnahme des Supporters Club Düsseldorf: Schluffmarie: Kochen, Einkaufen, Maul halten! erschien auch der Kommentar Schlimm, schlimmer, Schluffmarie im Fanzine Schlossturm. Der Autor Daniel Marten fragt sich, warum gerade weibliche Fans weniger an sportlichen Fragen als an des Spielers Wahl der Unterhosen („Boxershorts oder Panty?“), seinem Lieblingsparfum, Shoppingmöglichkeiten oder Rezepten interessiert sein sollten:

Vorurteile, gegen die weibliche Fans immer wieder mühsam kämpfen müssen, bestehen schon viel zu lange. (...) Mittlerweile sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass weibliche Fans mit in der Kurve stehen, auswärts fahren und sich genau so freuen und leiden wie alle anderen auch. Das Projekt „Et Schluffmarie“ ist ein Rückfall in völlig veraltete Denkmuster und strotzt vor Sexismus. Da kann sich „frau“ bei Fortuna ja nur freuen, dass sie noch bei der Jahreshauptversammlung wählen darf.

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Hier der ganze Artikel aus dem Fortuna Fanzine Schlossturm:
Schlimm, schlimmer, Schluffmarie.pdf
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Ebenfalls im Rahmen der FARE-Aktionswoche 2008 fand bei St. Pauli die Aktion „Fußball – das Spiel des weißen, heterosexuellen Mannes?!“ der Gruppe Queerpass statt, die sexistisches und homophobes Verhalten kritisierte:

Auch wenn man es nicht glauben mag – „Ey, du scheiß Schwuchtel!“ oder „Ey, du alte Fotze“ sind gar nicht seltene Beschimpfungen am Millerntor. Solch sexistische oder homophobe Beschimpfungen haben weder am Millerntor noch im Fußball allgemein etwas zu suchen. Denn wenn Bibiana Steinhaus als Fotze beschimpft wird, steckt meistens das Bild dahinter, dass Frauen im Fußball nichts zu suchen haben. […] In vielen Köpfen ist Fußball eben noch das Spiel des weißen, heterosexuellen Mannes.

Hier gibt es noch mehr dazu

 

Eigentlich auch schön: BlumenEigentlich auch schön: Blumen

Mit seiner Marketingaktion „Braun-weißer Frauentag“ stieß der FC St. Pauli im Oktober 2008 keineswegs auf ungeteilte Begeisterung. Dabei wollte man sich doch „mal wieder von seiner spendablen und charmanten Seite“ zeigen und offerierte Frauen Tickets zum halben Preis – nämlich die für die bisher nicht so doll besuchte, erweiterte Nordtribüne. Dazu bekamen die Kundinnen „galant eine Blume überreicht“. Schön und gut, dachten sich einige Fans, aber die Probleme von Frauen im Stadion liegen dann doch woanders. Das schrieben sie dann auch in zwei Artikeln in der Gazzetta d’Ultrà:

 „Um an diesen ausgrenzenden Verhältnissen etwas zu verändern, bedarf es mehr als einer charmant gemeinten Geste (…). Wir wollen anerkannt und respektiert werden als das was wir sind: Fans des FC St. Pauli. Was wir brauchen ist echtes Engagement und Ehrlichkeit um den vorherrschenden sexistischen Normalzustand zu überwinden, am Millerntor und auch überall sonst!“

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Hier die beiden Artikel zum runterladen:
Gazzetta d'Ultrà zum braun-weißen Frauen[...]
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Fast schon zu schlecht kommen Fußball(er)-Groupies in einem sarkastischen Brief der Chicas (Schickeria München) an die Herthafreundinnen weg. Die Kernaussage des Briefes ist eindeutig:

„...wir Frauen beim Fußball brauchen keine positive Diskriminierung, die vielleicht gut gemeint (oder doch nur verkaufsfördernd geplant) Klischees betoniert und so das Gegenteil erreicht."
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Der ganze Brief der Chicas – als fiktiver Tagesablaufs eines Kevin-Prince Boateng-Groupies – hier:
Liebe Herthafreundinnen - Chicas, Schick[...]
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"Was Marketingabteilungen meinen, was Frauen wollen"

Es ist nicht gleich antisexistisches Engament, aber auch das Thema Merchandise löst in einigen Fanszenen Kritik aus. Denn Frage "Was Frauen wollen" beantworten sich Marketingstrategen nämlich allzu häufig mit: "Trikots im Girlie-Schnitt" (so weit ja okay), aber nicht in den Vereinsfarben, sondern "am besten nur in rosa". Dazu aus aktuellem Anlass (Fanartikelkatalog 06/07) ein Artikel auf schwatzgelb.de, dem BVB-Fanzine im Netz.

In Frankfurt gibt es einen Schal mit rosa Adler und der stießt auf harsche Kritik (wurde aber wohl auch gut verkauft; mehr dazu bei hr-online). Auf der Seite STOPPT ROSA! sprachen sich Fans "entschieden gegen den Verkauf unserer Tradition und gegen das Verwenden von falschen Farben für unseren Vereinsadler aus." Dort heißt es auch: "Frauen wollen in der Männerdomäne Fußball ernst genommen und gleich behandelt werden. Warum brauchen wir dann Fanartikel extra in „Girlie“-Farben?"

 


Natürlich war das längst nicht alles!

Schickt uns Hinweise auf Aktionen an info@f-in.org, damit wir sie auch präsentieren können!


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